Die Aaskrone

Artor Raspotin – Interplanetarer Mann der Mysterien

Artors Raspjotin – Interplanetarer Mann der Mysterien

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Epi klein

Nach dem Triumph über den Wispernden Pfad kehrte Artor Raspjotin, Ustalavs einzig legitimer Mann der Mysterien, an die Stätte seiner bisherigen Wirkung zurück, mit dem festen Plan, sein Museum zu unvergleichlicher Pracht auszubauen. Seine Abenteuer hatten dem Hexer einzigartigen Reichtum beschert und ihn zu einer lebenden Legende gemacht. Doch konnte ein solcher Plan einen Mann mit einem Intellekt, wie er vielleicht nur einmal in jeder Generation auftritt, wirklich zufrieden stellen? Vielleicht! Doch vielleicht war er auch nicht der einzige der Pläne hatte. In den kommenden Monaten musste er feststellen, dass er von einem Buch verfolgt wurde. Das Buch der verworrenen Geometrie. Egal wann und wo er sich in seinem Turm zum Studieren niederließ, schien es schon dort zu sein und immer zu oberst zu liegen. Einige Zeit verging und er versuchte das Phänomen so gut als möglich zu ignorieren. Doch eines Nachts wurde er plötzlich von einem kehligen Knurren geweckt. Das Buch lag direkt vor seinem Bett und darauf saß Anastasia, die unheimliche Füchsin, und starrte ihn mit Augen wie glühende Kohlen an. „So sei es denn!“ sprach Artor Raspjotin, der von einem seltsamen Fuchs geplagte Mann der Mysterien, und schlug das Buch der verworrenen Geometrie auf, um von Dingen zu lernen, die einen geringeren Geist vermutlich verschlungen und zermalmt hätten. Anastasia nickte zufrieden, zeigte es sich doch erneut, dass sie damals auf die richtige Karte gesetzt hatte.
Tag und Nacht arbeitete Artor an der Entschlüsselung der andersweltlichen Mi-Go Technologie aus den finsteren Räumen zwischen den Sternen, stets unter den wachsamen Augen Anastasias – oder was immer es war, das durch die Augen des unheimlichen Tieres blickte, dem er in jener schicksalhaften Nacht vor so vielen Jahren hoch oben in den Bergen begegnet war. Infolge seiner Studien veränderte sich das Aussehen des Turmes zunehmend und die örtliche Schmiede machte ein Vermögen mit der Anfertigung immer neuer kurios bis bizarr geformter Gegenstände aus Metall. Bald schon war der Turm vollständig mit Metall verkleidet und zwischen den Exponaten des Museums standen seltsame Apparaturen, ein Netzwerk aus Rohren und Metallkabeln durchzog das Innere vom Keller bis in das Dachgeschoß. Die Anzeigen aus der Nachbarschaft wegen nächtlicher Ruhestörung, unheiliger Umtriebe und Paktieren mit Dämonen häuften sich und die Stadtwache klopfte fast täglich an die Tür. Auch häuften sich bei Museumsbesuchern Fälle von Ohnmacht oder tagelanger Verstörtheit, so dass Artor den Museumsbetrieb schließlich vollständig einstellte. Die Besuchszahlen der angeschlossenen Schenke vielen ins Bodenlose, trotzdem zahlte Artor seinen Bediensteten weiterhin fürstliche Gehälter für die Betreuung eines leeren Schankraums, nur um den Anschein seiner bürgerlichen Existenz aufrecht zu erhalten.
Dann kam der schicksalhafte Abend, an dem Artor Raspjotin allen Bediensteten überraschend freigab und sich ohne weitere Erklärung in den Turm – oder in das, was immer aus dem Turm geworden war – zurückzog. Dies war das letzte Mal, dass der Mann der Mysterien lebend gesehen wurde. Über die weiteren Ereignisse jener Nacht gibt es nur widersprüchliche Berichte von Zeitzeugen, die in den kommenden Jahren zum Ursprung von lokalen Mythen und Legenden werden sollten. Das einzige was man mit Sicherheit zu wissen scheint, ist, dass Caliphas kurz nach Mitternacht von einer Art Erdbeben erschüttert wurde und eine Druckwelle durch die Gassen fegte, die zahllose Fensterscheiben zerbersten ließ. Vom Grundstück des Hexers erhob sich eine Säule aus Rauch und Feuer in den Nachthimmel, die die Stadt weithin erhellte. Ein offizieller Untersuchungsbericht der Stadtwache kam zu dem Ergebnis, dass der Hexer sich mitsamt seines Labors selbst in die Luft gesprengt haben musste, was eine Welle von Gesetzesverschärfungen für den Bau und Unterhalt alchemistischer Laboratorien und Magierakademien nach sich zog.
Es gibt jedoch auch Augenzeugenberichte, die der offiziellen Version widersprechen. In diesen ist davon die Rede, dass sich der Turm selbst an der Spitze der Feuersäule in den Himmel erhob und von unfassbaren Kräften in die Leere zwischen den Sternen katapultiert wurde. Solchen Berichten wurde selbstverständlich kein Glaube geschenkt, stammten sie doch allesamt von unzuverlässigen Personen, die nicht zu einem geordneten Lebenswandel in der Lage waren (nur Gesindel ist um diese Zeit noch auf der Gasse unterwegs). Außerdem widersprachen sie jeglichem gesundem Menschenverstand. Teleportation? Sicherlich! Herbeirufung von Teufeln und Dämonen? Soll es geben, soll es geben. Ebenwechsel? Nun man hat davon gehört. Es gibt andere Ebenen, warum sollte man nicht zwischen ihnen sozusagen wechseln können? Auch Nachthemden, Socken und Unterwäsche lassen sich ja problemlos wechseln! Aber direkt in den Himmel fliegen? Immer höher und höher, in eine Leere zwischen den Sternen? Verrückt! Jeder weiß doch, wer immer höher in den Himmel fliegt stößt irgendwann mit dem Kopf an das Gewölbe, an dem die Sterne AUFGEHÄNGT sind. Wenn man nicht ganz gut aufpasst wird man vom Wagen des Sonnengottes überrollt oder bleibt sogar mit dem Kopf im Himmel stecken und hängt dann da wie ein armer Tropf, bis jemand einen wieder herunter holt….
Und so gingen die Jahre ins Land, wo der Turm einst stand klaffte ein gähnender Krater, der Regen füllte in mit Wasser, die Schenke wurde schließlich renoviert und wieder eröffnet. Im Sommer soll es sehr angenehm sein, dort ein kühles Bier am Kratersee zu trinken und den Enten zuzusehen. Der Mann der Mysterien und seine unheimliche Füchsin kehrten nie zurück und bald schon wurde auch kaum mehr von ihnen gesprochen, außer wenn Mütter ihren Kindern ein wenig Angst machen wollten.

Planet Erde – 30 Juni 1908 (lokale Zeitrechnung)
Russisches Kaiserreich – Sibirien, im Gebiet des Flusses Podkamennaja Tunguska
Eine unerklärliche Explosion in den frühen Morgenstunden entwurzelt im Umkreis vieler Meilen Millionen von Bäumen und lässt die Fensterscheiben in weit entfernten Orten zerspringen. Die Ursache kann nie geklärt werden, doch manche Augenzeugen meinen einen feurigen Schweif am Himmel und ein seltsames metallisch glänzendes Objekt in der Wildnis der Tundra gesehen zu haben. Bald darauf verbreiten sich im ganzen Land Gerüchte wie ein Lauffeuer, von einem geheimnisvollen Mann, wie es ihn noch nie zuvor gegeben hatte. Man nannte ihn Wunderheiler, Gelehrter, Hexer, Scharlatan oder verrückter Mönch. Doch was auch immer er sonst war, eines schien sicher: Er war ein wahrhafter Mann der Mysterien!

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Tod den Untoten

„Hier ist kein Platz für einen Brachiosaurus“, sprach Artor Raspjotin, der nicht zum ersten Mal von räumlichen Engpässen desavouierte Mann der Mysterien, als er seine Beschwörungsformel beendet hatte. „Dann soll er eben direkt neben dem Brunnen voll negativer Energie erscheinen“, waren seine Worte, gesprochen mit dem Unwillen eines Intellekts, der es gewohnt war, Naturgesetze als unverbindliche Handlungsempfehlungen zur Kenntnis zu nehmen. Doch mit oder ohne urzeitliche Kavallerie, die Schreckensherrschaft des Grauen Mönchs neigte sich ihrem Ende entgegen. Keine Sekunde später hätten die vier Helden die gotteslästerliche Zeremonie im Keller von Rehnkirch sprengen dürfen, sonst wäre Graf Galdana in das irdische Gefäß für die Essenz des Wispernden Tyrannen verwandelt worden. Nach all den Schrecken, denen sie bisher im Verließ begegnet waren, bot der Meister diese Ortes überraschend wenig Gegenwehr. Komplizierter war es da schon den richtigen Grafen zu finden, denn siehe: der Keller war voll von untoten Doppelgängern des unglückseligen Adligen! Die Lösung bestand letztlich darin, den Raum so lange mit positiver Energie zu fluten, bis nur noch ein Graf übrig war. Diesem war übel mitgespielt worden und es bedurfte einer Reihe potenter Heilzauber, um seine Lebenssäfte wieder in Wallung zu bringen. Hernach war der Geschundene voll des Dankes und des Lobes ob dieser Heldentaten, konnte jedoch keine weitere Hilfestellung leisten, außer den Rückzugsgort des Strippenziehers hinter all den Schurkenstücken der letzten Monate – Adivion Adrisant – zu verraten. Wenig überraschend hatte sich der Spitzbube den Galgenkopf als Domizil gewählt, wo sonst würde man wohl versuchen den schändlichen Tyrannen von einer Gruselgeschichte aus längst vergangenen Tagen in eine untote aber nichts destotrotz vor negativer Energie strotzende Wirklichkeit zu verwandeln? Obgleich der Graf sich erbot kein Klotz am Bein zu sein und darauf drang in heldenhafter Manier sein Los selbst in die Hand zu nehmen, konnte er doch überzeugt werden, Hilfe anzunehmen, und ließ sich von den Gefährten in besiedelte Regionen geleiten. Im nahegelegenen Ravengro, ironischerweise der Ausgangspunkt der großen Reise, trennten sich die Wege. Ravengro! Wer hätte damals all das, was sich ereignen sollte, für möglich gehalten? Doch noch war keine Zeit wehmütig zu werden. Man gönnte sich einen Tag der Rast und Besinnung. Remeny konnte endlich einmal wieder eine ganze Nacht lang ungestört und entspannt auf einem Holzscheit kniend die Gesänge der Iomedae rauf und runter beten, Artor schrieb der mittlerweile in magischen Angelegenheiten dilettierenden Feodora eine Zauberrolle und Nuuri konnte mit Mynx noch einige Runden durch die Luft drehen. Derlei Flugtraining stand der Raubkatze wenig später gut zu Gesicht, denn natürlich wurde der Galgenkopf auf dem Luftweg gestürmt. Um den Turm des verfluchten Leichnams hatte sich ein permanenter Ring aus Unwettern geformt und aus allen Löchern des verfluchten Landes von Vyrlich krochen die Untoten in Richtung der alten und womöglich demnächst neuen Festung ihres Herrn. Hoch über diesen Strömen aus garstigem Fußvolk waren die Helden froh, auf den Landweg verzichtet zu haben, und beglückwünschten sich gegenseitig für diese famose Entscheidung, bis mit einem Mal der sprichwörtliche Schatten auf die ausgelassene Runde fiel. Ohne Vorwarnung schoss ein riesiger untoter Drache aus den Wolken heran und forderte die Helden zu einem dramatischen Luftkampf. Doch wie so viele Lakaien bisher, wurde auch dieser überwunden und die Schätze seines Hortes werden in der kommenden Schlacht sicherlich gute Dienste leisten. Nach einer letzten Nacht der Vorbereitung brachen die Helden im Morgengrauen auf, um die Festung des Wispernden Tyrannen zu stürmen. Mit grimmigen Blicken kämpften sie sich über eine schwankende Treppe aus menschlichen Skeletten Stockwerk für Stockwerk empor. Dann endlich war der letzte Absatz erreicht. Entschlossen betraten sie die oberste Terrasse des Turms, um diese Eiterbeule ein für alle Mal auszubrennen.

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Die Schergen des Bösen

Je weiter wir in die Kirche von Renkirch vordrangen, desto verbissener wurde der Wiederstand der Anhänger des Wispernden Pfades und der Kreaturen in ihren Diensten. Im Erdgeschoss fanden wir noch einen Raum gefüllt mit Reliquien, welcher Artors Augen zum Strahlen brachte – er sah die Gegenstände bereits in seinem Museum ausgestellt. Doch vorerst musste er sich damit zufrieden geben nur einige kleine Gegenstände an sich zu nehmen, während die teuren Teppiche zurück blieben mussten. Im Anschluss stellten sich uns mehrere Mumien entgegen, welche uns kurz Abhängig von Mumienstaub machten – Iomedae sei Dank konnte uns Artor jedoch rasch wieder von dieser Sucht befreien. Welch unangenehmer Zustand das doch war.

Über steile Treppen stiegen wir nun in die Katakomben hinab. Bereits auf den Stufen erklang wieder das bereits bekannte Flüstern eines sehr anhänglichen Fluches. Und im ersten Raum der Katakomben wurden wir dann auch von sechs Novizen des Kultes sowie vier untoten Mohrgs empfangen. Verbissen versuchten sie uns aufzuhalten. Doch das gelang ihnen ebenso wenig wie den Schatten, die im angrenzenden Gang stationiert waren – letztere fraßen jedoch viele unserer Ressourcen und zwangen uns zu einer Rast. In einem Alchemielabor wurde uns dann bewusst, wie tief wir bereits in das Allerheiligste des Kultes eingedrungen waren: Ein Leichnam, assistiert von zwei Golems erwartete uns hier. Durch seien Zauber und vor allem seine alchemistischen Fähigkeiten brachte er uns schier zur Verzweiflung. Als seine Unsichtbarkeit jedoch wieder nachließ war er ein gefundenes Fressen für uns. Eine kreisrunde Höhle gefühlt mit Schlammtümpeln erschien auf den ersten Blick recht harmlos, war jedoch das zu Hause eines Schlammdämons, der mittels Telekinese Urnen nach uns war, auf denen gasförmige Untote krochen, die uns attackierten. Ich fiel in einen der Tümpel, ums Überleben ringend kämpfte ich unter dem Schlamm gegen den Dämon und erschlug ihn – bevor ich dann ertrank wurde ich von einem von Artor herbeigerufenen Wasserelementar gerettet. Derselbe Helfer brachte uns auch sicher fliegend aus der Höhle, bevor weitere von uns in dem Schlamm ertrinken konnten. Von den zwei vorhandenen Ausgängen wählten wir wahllos einen aus: Dahinter erstreckte sich ein weiteres ausgedehntes Höhlensystem. Wie groß waren diese Katakomben denn gar? Die ersten „Gegner“ die wir trafen waren etliche Novizen, welche sich hier dem Drogenrausch hingaben. Bis sie uns als Gefahr erkannten war die Hälfte bereits tot und die andere Hälfte verwundet. Vor allem Nuuri mähte wie Pharasma selbst durch ihre Reihen. Artor betrachtete das Gesehen wie üblich aus dem Hintergrund. Plötzlich weiteten sich seine Augen, er blickte einen der Gänge hinab und brabbelte etwas unverständliche. Doch on seinen Augen stand die pure Angst. Ein Blitzstrahl zuckte auf ihn – Reflexartig wusste ich, dass dieser Strahl sein Ende bedeuten würde. Ich dehnte Iomedas Segen auf ihn aus und empfing dafür die volle Wirkung des Strahls. Ich spürte wie das Leben aus mir herausgezogen wurde und ich kurz vor der Schwelle des Todes stand. Nur Iomedaes helfende Hand gab mir etwas rettende Lebensenergie, die mich davon abhielt zu sterben. Anscheinend wollte sie noch nicht, dass ich an ihrer Seite im Reich der Toten saß. Artor schließlich füllte meine Verbrauchte Lebensenergie wieder auf und so konnte ich auch unseren neuen Gegner sehen: Ein riesiger Werwolf, mit leuchtenden Runen überzogen, Zauber werfend. Welch bestialische Kreatur? Wir mussten sie Niederstrecken! Wieder rief ich die Kraft Iomedaes, diesmal um unseren Gegner rasch zu töten. Nuuri nahm dieses Geschenk dankend an und richtete die Kreatur mit drei Pfeilen binnen Sekunden hin.

Wir verschnauften, knebelten einen der überlebenden Novizen und befragten ihn an der Oberfläche über die Pläne des Kultes – wie zu erwarten gab er uns keine Auskünfte. Gefangen ließen wir ihn zurück und kehrten in die Katakomben zurück. Diesmal stießen wir auf einen Raum der anscheinend zur Erschaffung von Leichnamen diente und der von Dutzenden Zombies bewacht wurde. Die Zombies zerfielen unter der positiven Energie Ioemdaes zu Staub und die Leichname wurden von Nuuri und Feo zerfetzt. Die beiden hier gelagerten Seelengefäße vernichteten wir ebenso, während wir eine hübsch verzierte Rätselbox einsteckten. Aktuell hatten wir keine Zeit um sie mit Grips zu öffnen und sie sah wertvoll aus…

Eine kleine Leichenhalle war unser nächster Stopp. Als ich nachgehen wollte um nachzusehen, ob die Kreaturen auch wirklich tot waren – man konnte sich hier unten dessen ja nicht so sicher sein – erhoben sich alle sechs von ihren Steinbänken. Uns allen stockte der Atem. Das konnte nicht sein. Wir hatten diese sechs Kreaturen alle schon einmal getötet, verbrannt, begraben, geköpft und gepfählt! Wie konnten sie wieder hierher kommen? Vorkstag und Grein, die beiden Alchemisten aus Lepidstadt, welche die Haut von Nuuris Vater besessen hatten; Duristan, der reiche Adelige, der uns in Feldgrau als Werwolf wieder begegnet war und den wir dort begraben hatten; die Hexe Hetna Dublesse, niedergestreckt in ihrem Anwesen in Caliphas; der Vampir-Schneider Radvir, den wir in den Händen des Vampirfürsten zurückgelassen hatten; und zuletzt der Werfolf Rakis. Sie allen waren von den Toten zurück gekommen um uns noch einmal heim zu suchen. In einem Anfall von Raserei hackte und schlug ich auf sie ein, auch als wir sie zusammen bereits wieder getötet hatten, hackte ich weiter auf sie ein, trennte ihre Köpfe ab, die Arme, die Beine, weidete sie aus. Nie wieder sollten sie abermals auf Golarion wandeln!

Nach diesem Blutbad folgten wir einem Gang – hier wurden wertvolle Gemälde ausgestellt. Außerdem ein auffälliger Spiegel, in den Feo auch gleich hinein blickte. Natürlich wurde sie auch sofort von dem Spiegel verschluckt, wobei jedoch ihre Ausrüstung und ihre Kleidung zurück blieb. Artor hatte anscheinend keine Ahnung, wie man sie befreien könnte und so zerschlug ich den Spiegel. Dies führte in der Tat dazu, dass Feo nackt wieder auftauchte, aber auch drei Dämonen, die anscheinend sehr froh darüber waren wieder frei zu sein. Sofort entbrannte ein Kampf zwischen ihnen und Nuuri und mir; Artor brachte die nackte Feo mit einer Dimensionstür in Sicherheit. Die Dämonen hatten ein gutes Händchen mich zu entwaffnen und bald hatte ich nur mehr meinen kleinen Silberdolch, während mein Gegenüber meine an mich gebundene Waffe und ein Flammenschwert hielt. Bevor er auf die dumme Idee kommen konnte mit den Waffen auf eine andere Ebene zu verschwinden streckte ich ihn nieder. Auch den anderen erging es nicht besser.

Bevor wir weiter zogen sandten wir ein magisches Auge aus, welches uns einen kleinen Vorteil verschaffen sollte. So entdeckten wir tief im Inneren der Katakomben eine Kapelle, in der anscheinend gerade ein Opfer verbrannt wurde – hoffentlich war es nicht unser Graf Galdana. Wir stürmten rasch vor: Kämpften gegen drei Statuen von Urgathoa warfen sich uns entgegen, eine n Raum voller Novizen ließen wir links liegen, ein Alchemielabor in welchem ein Spuk sein Unwesen trieb durchquerten wir im Laufschritt. In der Vorkammer zur Kapelle stapelten sich Leichen und summten Fliegen. Aus diesem Haufen erhob sich eine Art Urdämon. Auch er stoppte und nur kurz. Kurz hielten wir vor der Tür zur Kapelle inne, holten uns magische Unterstützungen und drangen dann in das – hoffentlich – Allerheiligste vor. Drei Männer in Roben – natürlich Untote – erhoben sich, ebenso wie ein Eisengolem in Form einer Fliege. Artor beschwor eine ganze Batterie an Azartas zur Unterstützung. Die Männer in den Roben waren bald kein Problem mehr, doch der Golem war eine Herausforderung. Magie prallte an seiner Haut ab, unsere Waffen kratzten nur an der Oberfläche, während seine Hiebe unsere Rüstung zerbeulten. Doch dank der Hilfe der Azartas und der Rosthandschuhe von Artor gelang uns auch dieser Sieg. Doch wer auch immer verbrannt worden war, sein Schicksal war besiegelt. Er war in ein brennendes Skelett in einem ebenso brennenden Loch verwandelt worden. Ich schickte Iomedaes Energie in das Loch hinab um auch diese Kreaturen zu besiegten.

Doch keine Spur vom Grafen. Aber es gab ja noch eine weitere Tür, die tiefer in die Erde hinein führte.

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Gutgläubige Geister und nackte Männer

Wir dringen weiter in das Kloster hinein und entdecken sofort eine Heerschar von Ghulen, die sich über Menschenfleisch her machen. Immerhin sind Nuuri und ich nicht die einzigen, die hier umgekommen sind. Nur sind die meisten nicht wieder zurück gekommen, so wie wir. Nach einem Gang, der Atem beraubend ist, gelangen wir in ein Zimmer mit einem etwas gutgläubigen oder vielleicht doch eher dummen Geist. Naja, eigentlich waren da noch andere Geister und ein Vampir. Diese verhielten sich jedoch überraschend still. Jedenfalls glaubt dieser dumme Geist doch tatsächlich, dass wir vom Grauen Mönch, wer auch immer das ist angefordert wurden und gibt uns nur zu willig seinen Aufenthaltsort preis. Er verrät auch noch, dass er dort mit dem Gefäß ist. Wahrscheinlich ist der graue Mönch dieser schleimige Adivion und das Gefäß Nuuris Grafenfreund. Irgendwann wir der Geist doch misstrauisch. Aber sein Angriff und der seiner Komparsen stellt keine große Herausforderung für uns dar.
Auf unserem Weg zum grauen Mönch erwarten uns im nächsten Raum komische schwarzgekleidete Schwestern, die mit einem komischen Gerät aus uns schießen. Eine seltsame Linse bündelt negative Energie und haut uns zwischendurch immer wieder um. Aber auch sie müssen sich geschlagen geben. Erst jetzt fällt uns der nackte Mann im Raum auf. Laut ihm ist er im Beschaffungsgeschäft. Hört sich interessant an. Vielleicht ist das eine neue Karriere für mich, wenn wir hier fertig sind. Aber irgendwie ist der Typ auch nervig. Er nörgelt so lange rum, bis er seine Kleidung wieder hat. Und selbst dann lässt er uns nicht mal fertig seine Sahen durchsuchen. Er könnte schon etwas dankbarer sein. Schließlich haben wir ihm das Leben gerettet. Immerhin entwickelt sich Remeny in die richtige Richtung. Er nimmt den Mann diese Statue weg. Zugegebenermaßen behält er diese, weil sie eine böse Göttin ist und nicht, weil sie viel Wert ist, aber das Potential ist da. Bei den Diamanten kommt seine noble Ader doch wieder durch. Wir können die für viel bessere Sachen gebrauchen wie der Typ, aber nein, man muss sie ihm abkaufen. Bevor sie sich auf einen Preis einigen, habe ich die Glunker schon längst eingesteckt. Aber nicht mal Artor kann ich zu verstehen geben, dass wir nicht mehr weiter diskutieren müssen. Er unterstützt den Paladin mit voller Kraft. Ich bin mir sicher, dass wir ihm am Schluss viel mehr bezahlt haben, als die Diamanten wert sind. Aber wir können mit den Diamanten momentan sicherlich mehr anfangen als mit diesen komischen Amuletten. Hoffentlich werden wir sie nicht brauchen.

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Der Tod ist nur ein Tor

„Der Tod ist nur ein Tor in ein anderes Leben“ flüsterte Artor Raspotin, der geradezu sagenhafte Mann der Mysterien, als er mit umwölkter Stirn auf die leblosen Körper seiner treuen Gehilfinnen Fedora und Nuuri herabblickte. Derart war seine Trauer, dass er eine Träne zurückzwinkern musste und für einen Moment erwog, beide posthum zu seinen Gefährten zu erklären. Doch dann fasste er sich und musterte Remeny mit ernstem Blick. „Ihre Herzen sind mein, denn ihre Aufgabe ist noch nicht beendet. Triff mich gegen Abend auf dem Platz des verfluchten Dorfes, gewandet in die Kleider der Natur“, waren seine Worte, worauf die blutige Tat getan wurde und er mit wehendem Mantel davon eilte. Als Remeny in der Dämmerung – natürlich in voller Rüstung – auf dem Dorfplatz erschien, hatte Artor dort bereits etwas gebaut – oder viel eher von herbeigerufenen Erdgeistern bauen lassen. In der Mitte des Platzes standen zwei brusthohe, grob gearbeitete Steinpyramiden mit abgeflachter Spitze. Auf jedem Podest saß ein Skelett, das aus den überall im Totendorf herumliegenden Knochen provisorisch zusammengeflickt war. Ohne Anspruch auf anatomische Korrektheit und nicht ausschließlich aus menschlichen Knochen gebaut, hatte das eine den Schädel eines Ziegenbocks, das andere einen gehörnten Rinderschädel. Die Knochen waren mit feinen Runen beschrieben und am Fuße eines jeden Skeletts war eine Schüssel aufgestellt, gefüllt mit einem wimmelnden Haufen aus fahlen Maden, gekrönt mit den noch blutigen Herzen der zwei Toten. Remeny stockte der Atem, seine Hand fuhr unwillkürlich zum Schwertgriff. Wie oft hatte er schon daran gedacht, den Hexer einfach niederzustrecken, solange er es noch konnte? Dieser war jedoch bereits damit beschäftigt, sich in Trance zu tanzen. Nur bekleidet mit einem Lendentuch schritt er immer und immer wieder die beiden Skelette ab und intonierte einen tiefen repetitiven Choral. Abseits der Szenerie döste Anastasia, die unheimliche Füchsin, im Schatten eines toten Baumes. Die Stunden verstrichen, die Nacht brach herein, über dem Platzt formte sich eine Decke aus niedrig hängenden Wolken aus denen es sanft zu regnen begann. Plötzlich und ohne erkennbaren Grund fuhr der Kopf von Anastasia in die Höhe. Sie setzte sich auf ihre Hinterläufe und betrachtete das Geschehen auf einmal mit brennender Intensität. Die Haare in ihrem Gesicht stellten sich auf und ihrer Kehle entfuhr ein leises Knurren. Es schien, als ob sie mit ihren feinen Tiersinnen das Herannahen von etwas unsichtbarem Spüren konnte, dessen Anwesenheit den weniger empfindsamen Menschen noch verborgen blieb. Eine bedrohliche Kraft, älter als die Götter der Menschen, alt wie das Land selbst, unpersönlich und erbarmungslos und doch die Quelle von allem Seienden. Ein Donner wie ein Peitschenschlag erschütterte den Platz, eher zu spüren als zu hören und ein Schatten fiel auf das Dorf. Ein grünliches Leuchten bildete sich über den Schalen. In Sekundenschnelle zerflossen die Herzen und durchtränkten die Maden darunter. Mit zuckenden schnellen Bewegungen verließ das wimmelnde Getier die Schalen und kroch über die blanken Knochen, dort bissen sich die Maden fest, zerflossen, verschmolzen miteinander und begannen neues Fleisch zu bilden. Der monatelange Prozess von Verfall und Verwesung lief innerhalb weniger Augenblicke rückwärts ab und es wuchsen zwei neue Körper von innen nach außen heran. Weiß-bläulich flackerndes Licht erhellte das Geschehen wie Wetterleuchten, als ob über der Wolkenschicht ein lautloses Gewitter toben würde. Zu hören war nur ein nervenzerfetzendes an und abschwellendes Heulen, das von überall zu kommen schien. Plötzlich ertönte ein zweiter Donner und den Zuschauern schwand kurz das Bewusstsein. Dann herrschte wieder Stille – bis auf das Geräusch des sanft plätschernden Regens. Am Rande des Platzes wand sich Artor in Krämpfen und stieß gemurmelte inkohärente Laute aus, als ob er in Zungen spräche. Anastasia leckte ihm beruhigend über die heiße Stirn. Auf den beiden Podesten, wo zuvor die toten Knochen lagen, befanden sich zwei neue, junge und vor allem lebendige Körper.
Die eine Gestalt die sich verwundert erhob, war eine menschliche Frau, die an sich auf und nieder blickte und nur langsam zu begreifen schien, was geschehen war. Als ihr klar wurde, was ein vollkommen neuer Körper und ein neues Gesicht für eine steckbrieflich gesuchte Diebin bedeutet, brach sie in Jubel aus, nur um sofort aus Gründen des Anstandes in einen blauen Umhang eingewickelt zu werden.
Die andere Gestalt war ebenfalls menschenähnlich, aber viel kleiner und zierlicher, fast wie ein Kind. Sie war gerade einmal einen Schritt groß und hatte leicht spitze Ohren. Mit dem untrüglichen Gespür eines treuen Tiergefährten kam ein Luchs auf den Platz gelaufen, steuerte ohne zu zögern auf die kleinere der beiden Gestalten zu und rieb sich an ihr, so dass diese von der Wucht umgeworfen wurde und vom Podest purzelte. Sie rappelte sich auf und blickte fassungslos die Raubkatze an, die ihr wie ein Tiger oder Löwe erscheinen musste. „Mynx warum bist du so groß? Nein halt, alles ist größer oder bin ich… Artor NEIN!“.
Der Mann der Mysterien war mittlerweile wieder zu Sinnen gekommen, stand auf, zupfte sein Lendentuch zurecht und zeigte anklagend auf Remeny. „Bedanke dich bei diesem Tugendbold. ‚Im Gewand der Natur‘ habe ich gesagt! Es ist ein altes Druidenritual. Er hat die große Mutter mit dem ganzen Blech erzürnt, das er immerzu anhat!“
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Das Wehklagen der Todesfee

„Hütet mein Museum gut“, sprach Artor Raspotin, der zu Recht bewunderte Mann der Mysterien, und blickte prüfend in die Gesichter seiner Angestellten. „Niemand weiß zu sagen, wann und welcher Form wir uns wiedersehen, ob es diese Welt oder eine andere sein wird! Nun muss ich mich eilen, denn die treuen Gehilfen harren meiner“. Mit einer plötzlichen Bewegung wendet er sich ab, schlägt seinen neuen purpurroten Mantel um sich und eilt den Turm hinauf. Den Kehlen der Zurückgeblieben entfährt ein leichtes Schluchzen. Auf der Spitze des Turmes harren die treuen Gehilfen tatsächlich bereits voll Ungeduld. Auf ihren Gesichtern mischt sich latentes Misstrauen mit unterschwelliger Gereiztheit. Der Mann der Mysterien tritt hinzu und überhört die gemurmelten Flüche seiner Kameraden geflissentlich. Wenn das Leben ihn eins lernte, dann ist es unendlicher Langmut gegenüber jenen, die nicht die Bürde eines Intellekts tragen müssen, der heller strahlt als tausend Sonnen. „Ihr wisst warum wir uns in dieser Nacht auf der Spitze dieses Turmes trafen? Wir sind hier, um selbst zu Legenden zu werden – oder um bei dem Versuch ein schreckliches Ende zu nehmen!“ Artor wirbelt seinen Speer theatralisch herum und entlässt eine Kaskade tanzender Lichter in die Nacht; der Wind bauscht seinen roten Umhang, so dass er wie ein Leuchtfeuer flackert. Irgendjemand stößt schnaubend die Luft aus; ein anderer murmelt „Langweilig“; über die Gasse hallt es „ruhe da oben oder ich rufe die Stadtwache“; Fensterläden werden knallend zugeschlagen; ein Hund bellt. In der folgenden peinlichen Stille wirkt der Mann der Mysterien hastig die Formeln für den Überlandflug, hin und wieder erklingt ein klägliches Maunzen von Mynx, die auf dem Rücken von Nuuri festgeschnallt wurde – vielleicht hätte man ihr sicherheitshalber eine Windel anziehen sollen – dann erheben sich die vier Helden in den Nachthimmel.
Häuser, Gassen und Menschen erscheinen bald wie Spielzeug. Man steigt immer höher und höher und nimmt schließlich Kurs Richtung Nordwesten. Schnell hat man die Stadtmauern passiert, fliegt über Vororte, Felder und Gehöfte und eilt alsbald über endlose einsame Wäldern hinweg in Richtung der Hungerberge, die sich drohend am Horizont abzeichnen. Jeder der schlau genug war, sich einen Umhang zu besorgen, kann sich sicher sein, ein äußerst heroisches Bild abzugeben. Man hatte sich entschieden vorwiegend des Nachts und in der Dämmerung zu reisen und tagsüber zu rasten, um so wenig Aufsehen wie möglich zu erregen. In der zweiten Flugnacht entdecken die Gefährten den Schein eines Lagerfeuers. Da sie sich schon tief in der menschenleeren Bergwildnis befinden, beschließen sie, sich dies näher anzusehen. Nuuri wird zum Spionieren vorausgeschickt und kann von Rittern berichten, deren Wappen dem Zeichen auf Remenys Schild frappierend ähnlich sieht. Ohne eine Sekunde zu zögern und jeden Gedanken an so absurde Konzepte wie „Verkleidung“ oder „Hinterhalt“ abwendend, stapft der Streiter der Iomedae mit dem universellen Abenteurergruß „Heda!“ auf den Lippen hinaus auf die Lichtung. Es folgt ein großes Hallo, die Ritter sind tatsächlich das, was sie zu sein scheinen, und man tauscht sich über das jeweilige woher und wohin aus. Die Streiter der Iomedae sind gerade auf dem Weg zurück nach Vigil, im Schlepptau haben sie eine besessene Frau. Artor kann mit Leichtigkeit feststellen, dass tatsächlich ein Dämon vom Körper der Frau Besitz ergriffen hat. Da man jedoch nicht über die Mittel für eine sofortige Austreibung verfügt, trennen sich die Wege der beiden Gruppen nach einer gemeinsamen Rast wieder. Am Abend geht es weiter, der Hauptkamm der Berge wird überquert und gegen Morgen entdeckt man eine Höhle aus der es raucht. Nuuri kann die Spuren als die eines drachenartigen Wesens identifizieren. Beim Wort Drachen stellen sich die Ohren des sonst nicht für seine Sinnesschärfe berühmten Remeny auf. Ohne zu zögern stapft er mit erhobenem Schwert in die Höhle, den zweiten universellen Abenteurergruß „Stirb Kreatur des Bösen“ auf den Lippen. Feo und Nuuri ist das zunächst zu verrückt, weswegen sie sich vor der Höhle verstecken. Artor folgt Remeny in sicherem Abstand, um der erste zu sein, der Ansprüche auf den möglichen Drachenhort anmelden darf. Tatsächlich befinden sich in der Höhle ein Lindwurm und ein Hort, dem einen wird mit vereinten Kräften der Gar ausgemacht, der andere eingesteckt. Nach einer weiteren durchflogenen Nacht erreicht man schließlich ein verwüstetes Dorf in der Nähe von Rehnkirch. Dort beschließt die Gruppe zu landen und den Rest des Weges zu Fuß zurückzulegen. Das Dorf ist nur noch eine verwüstete Ruinenlandschaft. Die ursprünglichen Bewohner dürften es schon vor Jahrhunderten aufgegeben haben. Dann diente es den Rittern des Kreuzzuges des Lichts als Friedhof. Dieser wiederum wurde daraufhin zu einer Quelle von Skeletten für die Diener des Wispernden Pfades und erst kürzlich muss hier ein Wagen-Zug von Varisianern sein schreckliches Ende gefunden haben. Die Wesen, denen die Varisianer zum Opfer fielen, wollten kurz darauf auch die vier Helden holen kommen. Sie trafen hierbei jedoch auf Gegner, die ihnen mehr als ebenbürtig waren. Nach dem kurzen Scharmützel macht die Gruppe im Dorf noch eine wichtige Entdeckung, nämlich ein Tor aus Knochen, das man als Hexentor identifiziert. Wer immer in seinem Wirkungskreis einen Teleportationszauber wirkt, wird unweigerlich fehlgeleitet und stattdessen an einen anderen Ort gebracht.
Bald darauf ist Rehnkirch erreicht. Düster ragen die geschwärzten Mauern des ehemaligen Klosters in den Himmel. An diesem verfluchten Ort hat der Wispernde Pfad also seinen Unterschlupf. Leichtfüßig umrunden Feodora und Nuuri die gesamte Anlage, um sich ein Bild zu verschaffen, stoßen jedoch auf keinerlei Lebenszeichen. Am Ende betritt die Gruppe die Anlage in der Nähe der Ruinen eines alten Turmes. Im Turm befindet sich ein seltsamer Käfig mit einem zweiten Knochentor wie jenes im Dorf. Kaum dämmert den Helden, was sie hier entdeckt haben, nämlichen den Ort an dem unvorsichtige Teleportierende landen, da erhebt schon eine schreckliche Bedrohung ihr düsteres Haupt. Eine geisterhafte, elfenartige Frau erscheint aus dem Nichts und mustert sie mit eisigen Augen. Artor wird mit einem Schlag bleich und kann gerade noch „eine Todesfee“ flüstern, da ist das Unglück auch schon geschehen. Die Erscheinung stößt ein langgezogenes Wehklagen aus, das wie ein Messer aus Eis in die Knochen der Sterblichen schneidet. Nuuri und Feodora brechen zusammen wie Marionetten, denen die Schnüre durchschnitten wurden, ihre Lebensflamme ausgeblasen, wie eine einfache Kerze. Auch der Mann der Mysterien fasst sich erschüttert an die Brust und sinkt theatralisch keuchend auf ein Knie hinab, doch er überlebt, da er aufgrund des heiligen Bandes zu Remeny nicht die ganze Wucht des Angriffs tragen muss. In einem Ausbruch rechtschaffenden Zornes, wie ihn dieses verwunschene Gemäuer seit den Tagen Iomedaes nicht mehr bezeugen musste, streckt der Paladin die Todesfee mit zwei Angriffen nieder. Doch alle heilige Rache kann das Schreckliche nicht ungeschehen machen. Feodora und Nuuri hatten ihr Ende gefunden noch bevor der Kampf gegen den Wispernden Tyrannen überhaupt begonnen hatte.

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Nichts währt ewig

Rückblickend kann ich sagen, dass mir der Aufenthalt im Kloster von St. Lymirin vor allem eines gelehrt hat: Nichts währt ewig. Weder das Gute, noch das Böse, noch das Leben selbst.

Tief in den Katakomben des Klosters stießen wir nicht etwa nur auf die Lakaien in Diensten des Bösen, sondern auch auf einen Ordensbruder von mir, der vom Weg abgekommen war. Halloran Idriss war einst ein tapferer Kämpfer im Namen Iomedas, doch irgendwie war er vom rechten Weg abgekommen. Sicherlich half es sicherlich nicht, dass er von einem Vampir gebissen worden war und zu einem dieser Dunklen Gesellen gemacht wurde. Dennoch ist er den entscheidenden Schritt selbst gegangen: Er hätte sich auch anders entscheiden können. Natürlich schmerzte es mich ihn töten zu müssen und ich werde ihn in Zukunft in meine täglichen Gebete miteinschließen. Aber wie gesagt, er hat diesen Weg selbst gewählt.

Neben dem armen Halloran fanden wir natürlich auch noch den zu erwarteten Lakaien: Einen Streiter in schwarzer Rüstung, von unnatürlicher Natur. Er verspritzte zwar viel Blut – unnatürlich viel Blut, mehr als er aufgrund der ihm zugefügten Wunden hätte sollen – aber ansonsten war er fast harmlos.

Und auch die zweite der Dublesse Schwestern fanden wir schließlich in den unterirdischen Katakomben. Anscheinend hatte sie auf der Suche nach dem ewigen Leben ihren eigenen Weg gefunden und es geschafft sich irgendwie in einen Vampir zu verwandeln. Ein theoretisch einfacher Weg für das ewige Leben – wenn es auch erhebliche Einschränkungen mit sich bringt – doch zeigten wir ihr mit unseren Klingen und unserer Magie, dass diese Unsterblichkeit nur eine relative war. Viel konnte sie nicht gegen uns ausrichten, bis sie sich in eine Rauchwolke verwandelte. Rasch folgten wir ihr zu ihrem Sarg (welcher ausgerechnet der Sarg des alten Abts war) und erlösten sie dort von ihrem da sein.

Somit hatte auch dieses Böse sein Ende gefunden. Wieder eine Kreatur der Dunkelheit weniger, welche auf Golarion wanderte. Zurück in der Stadt stellten wir fest, dass sogar Ramoska Arkimos, der Nosferatu die Seiten gewechselt hatte, indem er uns einen Brief mit Informationen über den Wispernenden Pfad zukommen ließ. Wie ich bereits sagte: Nichts währt ewig. Nicht das Böse, nicht das Gute, nicht das Leben.

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Von Hexen und Hexern

Es ist erstaunlich wie ein einst so heiliger Ort wie dieses Kloster zu einem Hort so großer Dunkelheit werden kann. Doch während mir ein Schauer des Schreckens über den Rücken läuft, scheint es die beiden Frauen nicht zu bekümmern und Artor scheint es geradezu aufregend zu finden, das von den beiden Hexen okkupierte Gebäude zu untersuchen!

Doch vorerst scheint das Erdgeschoss keine weiteren Schrecken und Wunder mehr bereit zu halten. Wir durchstöbern eine Küche, einen magisch gekühlten Lagerraum und das angeschlossene Kutschenhaus, indem sich noch ein Wagen mit dem Wappen der Familie Caliphasi befindet. Der Glockenturm ist ebenso unspektakulär, auch wenn sich in seinen oberen Geschossen zahlreiche Spinnen zu befinden scheinen. Da wir gegen diese Kreaturen der Götter nichts haben, lassen wir sie links liegen und wenden uns stattdessen dem ersten Stock des Klosters zu. Die scharfen Ohren von Nuuri und Feo vernehmen das Klirren von Rüstungen auf der anderen Seite der Tür und wir rüsten uns zu einem weiteren Kampf gegen die Schergen der beiden Hexen.

Wir stürzen in den Raum dahinter – und finden uns inmitten einer Hexenküche wieder. Ich könnte laut aufheulen! Mehrere Wachen sind im Raum verteilt, doch mein Blick gilt allein einer hübschen Frau im besten Alter. Sie hat einen irren Blick, wie ich ihn auch bei Artor schon öfter gesehen habe und auch das Lachen, welche sie ausstößt macht klar, dass es sich hier um eine der beiden Dublese Schwestern handeln muss. Unter dem hell klingenden, gackernden Lachen der Hexe und dem tiefen Lachen Artors beginnt der Kampf. Pfeile und Bolzen schwirren durch den Raum, wir umtänzeln den brodelnden Hexenkessel, Unterlagen fliegen durch die Gegend und nur langsam komme ich meinem Ziel näher: Dieser Kreatur der Finsternis mein geliebtes Schwert durch die lachende Kehle zu stecken! Die Hexe zeigt jedoch, dass sie ihren schrecklichen Ruf nicht zu Unrecht erhalten hat und kämpft mit allen Mitteln. Zauberen und Hexerein werden durch den Raum gerufen, Farben blitzen, Energie knistert, Blut fließt! Doch alle dunklen Künste haben keinen Zweck. Schließlich stehe ich schwer schnaufend über ihr und bringe sie ein für allemal zum Schweigen. Kaum ist der Kampf vorbei stürzen sich Feo und Artor über die im Raum verteilte Ausrüstung und das Labor. Während Feo auf der Suche nach Schätzen in Form von Geld und Juwelen ist, scheint Artor geradezu kindlich begeistert von den hier angehäuften Mengen dunkler Künste zu sein. Seine Augen glühen, als er die Aufzeichnungen durchsucht, den Kessel inspiziert und die Ausrüstung der toten Hexe analysiert. Ich betrachte ihn mit misstrauischen Augen. Würde er für dieses Wissen, für diese Macht, etwa die Seiten wechseln? Eine leise Stimme in meinem Kopf gemahnt jedoch zur Wachsamkeit – zuzutrauen wäre es ihm.

Nachdem wir alles Wertvolle eingesteckt habe – darunter Blutbräu Elixier und die Reste eines Sonnenorchideenelexiers und die Aufzeichnungen der Schwestern –, durchsuchen wir das restliche Obergeschoss. Die meisten Räume sind uninteressant: Eine Baracke, mehrere Schlafzimmer (davon eines mit einem Sarg, was uns etwas verwundert), ein Zimmer mit einem feudalen Himmelbett, ein Besprechungszimmer, sowie eine Dachterrasse mit Kräutergarten.

Nur die gut ausgestattete Bibliothek hatte es noch in sich. Hier fanden wir das fast fertig zusammengesetzte Skelett von Oothi – jener Anisvettel, welche als Mentorin für die beiden Hexen gedient hatte, bevor man sie besiegt, verbrannt und ihre Knochen in ganz Ustalav verstreut hatte. Anscheinend war es den Schwestern gelungen sie wieder zusammen zu tragen. Nur der Kopf fehlte noch. Jener Kopf, der sich in Artors Rucksack befand. Natürlich holte er ihn auch hervor. „Wir, wir könnten sie wieder zurück holen! Sie wäre uns sicherlich unglaublich dankbar! Wäre es nicht wunderbar eine so mächtige Verbündete zu haben?“, flüsterte er euphorisch, den Blick auf den Schädel in seiner Hand fixiert. Ich zückte mein Schwert. „Sie wird uns nichts tun Remeny, sie wird uns dankbar sein“, sprach er auf mich ein. Doch ich schüttelte den Kopf. „Das Schwert ist nicht für Oothi gedacht, Artor, sondern für dich. Steck den Schädel wieder weg!“ Entweder war es die Eiseskälte in meinen Augen, das drohende Schwert, oder die Tatsache, dass er ohnedies nur einen Scherz machen wollte, aber Artor lenkte ein und verstaute den Schädel wieder bei seinen Sachen. Nur um sicher zu gehen brach ich dem Skelett jedoch noch eine Rippe ab – auch Feo und Nuuri nahmen sich je ein kleines Andenken mit. Damit war die Erweckung von Oothi für das erste wieder gebannt. Aber die Situation hatte mir gezeigt, dass ich immer ein wachsames Auge auf Artor haben musste. Immer!

Nun, da wir das Gebäude fertig untersucht hatten, wollten wir uns dem Keller zuwenden. Dazu stiegen wir in den Brunnen hinab, um den bis dato von den hexen unentdeckten Geheimeingang zu verwenden. Dieser Geheimgang teilte sich jedoch bald. An einem Ende führt er uns in das Grab des ehemaligen Abts, welches geschändet worden war. Unter den Blicken der anderen bettete ich den Leichnam wieder im Sarg und verschloss diesen. Im Anschluss entschärfte Feo noch eine Falle an der Tür, wodurch wir einen Blick dahinter riskieren konnten: Ein Raum mit einer überlebensgroßen Darstellung von Sankt Lymirin – dem Schutzheiligen des Klosters – an der Wand. Über eine Gangkreuzung, von wo es auch wieder an die Oberfläche führte, warfen wir einen Blick in eine durch Kohlebecken erleuchtete Kammer, die von einer State von Sankt Lymirin dominiert wurde. Was jedoch mehr unseren Blick einfing war eine schwarz gerüstete Gestalt, welche hier patrouillierte.
Wir zogen uns vorerst unbemerkt zurück um einen Blick auf das andere Ende des Geheimganges zu werfen. Dieser führte in eine Kammer voller Säulen und Alkoven, deren Boden mit Gebeinen bedeckt war. Darin fand sich ein Ritter der anscheinend recht lustlos die Gebeine nach einem passenden Schädel durchsuchte. Anscheinend ein weiterer Lakai der Hexen auf der Suche nach Oothis Schädel. Wir beschlossen ihn als nächstes auszuschalten…

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Brief an den Vater IV – oder: Von den Toten zurück

Vater, viel ist schon wieder geschehen, seit ich dir das letzte Mal schrieb. Ich war kurz davor, an deine Tür zu klopfen, aber scheinbar hat mein Schicksal – oder ist es nicht eher der Wille meiner Gefährten und insbesondere dieses kauzigen Artors – noch mehr mit mir vor, bis wir uns wiedersehen können. Doch dann, so befürchte ich, wirst du mich gar nicht wiedererkennen. Aber ich erzähle dir am besten der Reihe nach, was geschehen ist.
Nachdem wir auf den Spuren des Vampirmörders von Caliphas waren – nicht, dass du denkst, wir würden nun Vampiren helfen – um als Gegenleistung Informationen zum Wispernden Pfad zu erlangen, stießen wir auf die Machenschaften des Schneiders und Vampirs Radvir Theordin. Dieser war für die Vampirmorde verantwortlich, auch wenn wir zunächst nicht wussten, warum er seinesgleichen bekämpfte. Nachdem wir uns einen gewaltigen Kampf mit ihm und seinen Schergen geliefert hatten, war nicht mehr viel im Haus des Schneiders zu erledigen. Unsere Vermutung war richtig, der majestätische steinerne Sarg hinter der Geheimtür gehörte dem Schneider. Als dieser sich mit seinem Tod in seine gasförmige Gestalt verwandelte, wartete Artor bereits unten auf ihn und machte ihm den Gar aus. Um seiner Rache Genüge zu tun, durfte Quinley mit einem geübten Hieb dem Schneider das Wiedererscheinen in dieser Welt vollends verwehren. Da wir mit dem Verschwinden des Körpers des toten-untoten Vampirs nun keinen „Beweis“ mehr hatten – und auch unser letzter gefangener Vampir nach Entfernen des Pflocks verschwand – suchten wir eifrig im ganzen Haus und wurden schließlich im Keller fündig – mehr als fündig muss man wohl sagen. Der Schneider hatte über seine Pläne und Kontaktpersonen bis ins kleinste Detail Buch geführt. Demnach hatte er im Auftrag Adivion Adrisants und des Wispernden Pfads gearbeitet. Er hat geholfen, die Rückkehr des Wispernden Tyranns vorzubereiten. Zwei Hexen, Aisa und Hedna Dublese, die in der ehemaligen iomedaischen Abtei der Heiligen Lynerien ihr Unwesen treiben, lieferten dem Schneider Blutbräu im Austausch gegen Vampirleichen. Das Blutbräu war es, das das Verhalten der Vampirbrut so seltsam gemacht hat. Die Hexen brauchen die Vampirleichen, um einen Trank herzustellen, der einen Menschen in einen Leichnam verwandeln würde, welcher eben für die Wiedererweckung des Wispernden Tyranns notwendig ist. Soweit zumindest habe ich die Pläne des Wispernden Pfads und seiner Knechte verstanden.
Als wir mit unseren Funden den Anführer der Vampire aufsuchten, hatte er tatsächlich bereits von dem uns entkommenen Vampir erfahren, was passiert war. Nach etwas Säbelgerassel – du musst wissen, es war eine Höchstanstrengung von Remeny, unserem Paladin, nicht in einem Amoklauf alle Vampire zu erlegen – erhielten wir noch eine weitere Information zum Wispernden Pfad: ihre Rückzugsbasis liegt in Renkirch in den Hungerbergen, nicht fern vom Startpunkt unserer Reise in Ravengro. Außerdem lieferte uns der Vampiranführer den gefangengehaltenen Nosferatu namens Ramoska Argminos aus, der jedoch mit einem Dank und dem Versprechen – sofern man ihm Glauben schenken kann – uns aufzusuchen, sollte er mehr in Erfahrung bringen, uns in der Form eines Rattenschwarms entwischte.
Auf Drängen Quinleys – aber auch zum Glücke Remenys – machten wir uns noch am selben Tag auf zum gefallenen Kloster der Iomedae und den beiden Hexen. Das ehemalige Kloster, das heute als Weingut genutzt wird, lag einsam vor uns und wir erkundeten zunächst ein vorgelagertes Gebäude, das wir als Stützpunkt und zum Unterstellen der Pferde verwenden wollten. Wie ich herausfand, war dies das Weinlager. Neugierig wie ich bin, musste ich den Wein probieren. Ob meine Unvorsichtigkeit das Erscheinen von drei Weingeistern verursacht hatte, oder ob sie uns bereits allein aufgrund unseres Eindringens in ihr Territorium angegriffen hätten, vermag ich nicht sagen. Zumindest haben wir alle sie wohl ein wenig unterschätzt. Meine Pfeile trafen zwar recht gut, aber dies führte auch dazu, dass sie mit vereinten Kräften mich attackierten… Nachdem ich eine der geisterhaften Gestalten erlegt hatte, sank ich schließlich blutend zu Boden und spürte, wie ich mich mit einer ungeahnten Sehnsucht in Richtung einer Tür bewegte, hinter der ich dich vermutete. Doch bevor ich ankam – die Tür schien sich im gleichen Maße fortzubewegen, wie ich auf sie zueilte – zog von Rückwärts eine noch stärkere Macht, sodass ich schließlich nachgab. Das nächste, an das ich mich entsinne ist, dass ich splitter-faser-nackt des Nachts auf einer Lichtung im Wald aufwachte und meine Gefährten mich entgeistert anschauten – nun nicht alle, Artor schaute recht wissend. Und wie ich in Erfahrung brachte, war er für den ganzen Spuk verantwortlich. Remeny und Feo fremdelten anfangs noch mit meinem neuen Erscheinungsbild, ohne Narbe und mit feuerroten Haaren, doch Mynx macht sich scheinbar nicht so viel aus Äußerlichkeiten.
Auch ich muss mich langsam an meinen neuen Körper gewöhnen. Als wir anschließend wieder ins Kloster eindrangen und dort von einer Horde besessener Wachen und zu allem Übel einem Dämon angegriffen wurden, hatte ich noch etwas Probleme, mit Pfeil und Bogen umzugehen. Wieder war es knapp und ich dachte schon, ich hätte die Chance nutzen sollen, meinen Gefährten einzubläuen, dass man keinen Schabernack mit den Toten treibt, doch schließlich konnten wir den Dämon bezwingen.
Vater, ich weiß noch nicht, ob ich traurig oder glücklich darüber sein soll, noch eine Chance bekommen zu haben. Es gibt wahrlich noch viel hier zu tun, das Wiedererscheinen des Wispernden Tyranns zu verhindern und seinen Jüngern das Handwerk zu legen … schließlich bist ja auch du ein Opfer des Wispernden Pfads und ich dürste immer noch Rache. Trotzdem wäre ich gerne wieder mit dir vereint gewesen …

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Der Tod muss nicht das Ende sein

„Der Tod muss nicht das Ende sein“, sprach Artor Raspotin, der legendäre Mann der Mysterien, und starrte mit durchdringendem Blick in die Augen seiner Gefährten. In seiner rechten Hand hielt er den blutigen Dolch, in seiner Linken das noch warme Herz von Nuuri Jubari. „Trefft mich um Mitternacht auf der Lichtung der großen Eiche“ waren seine letzten Worte an die Freunde, dann eilte er mit langen Schritten Richtung Waldrand, ohne einen weiteren Blick auf den Körper der toten Waldläuferin zu werfen, dessen Brust er gerade aufgeschnitten hatte.
Als die zwölfte Stunde näher rückte, erhoben sich Remeny und Feodora Timofej und begaben sich zu dem Ort, den ihnen der Hexer gewiesen hatte. Der alte Wald umfing sie mit drohenden Schatten und bald schon hörten sie aus der Ferne Stimmen, die sich in einem Zwiegespräch befanden. Die eine Stimme gehörte ohne Zweifel Artor, obgleich sie in einer unbekannten Zunge sprach, die klang, als sei sie keine für den Menschen gemachte Sprache. Die zweite Stimme hatten sie noch nie zuvor gehört. Kalte Schauer liefen ihnen den Rücken herunter, denn die Stimme bediente sich nicht nur der gleichen seltsamen Mundart, sondern Klang zudem nicht im Entferntesten wie die eines menschlichen Wesens. Sie waren der Lichtung schon nahe, da verstummte die zweite Stimme plötzlich, als ob der Sprecher ihr Herannahen spüren konnte. Nur noch Artor war zu hören, der in tiefem Bass einen monotonen Gesang intonierte. Als sie die Lichtung betraten, bot sich ihnen ein schauerliches Bild. Der Hexer hatte in den letzten Stunden etwas gebaut. Auf dem Gras lag eine menschengroße, grob gearbeitete Puppe. Die Haut bestand aus einem Flechtwerk von kleinen biegsamen Ästen und Pflanzenfasern, das Innere war mit Erde, Steinen und Moos ausgestopft. An der Stelle, wo bei einem Menschen das Herz schlägt, war die Brust der Puppe offen und es bedurfte nicht viel Vorstellungskraft, um zu ahnen was sich darin befand. Artor schien ihr Erscheinen nicht zu bemerken. Er Schritt wie entrückt um sein Werk herum und setzten ohne Unterlass seinen Gesang fort. Auf einem Baumstumpf ganz in der Nähe saß Anastasia, die unheimliche Füchsin, die den Hexer stets begleitete und folgte mit ihrem Blick jeder Bewegung der Neuankömmlinge. Die Aufmerksamkeit des Tieres gab den Gefährten ein unbehagliches Gefühl, im Mondlicht schienen ihre Augen violett zu leuchten und wirkten wacher und intelligenter als sie es bei einem bloßen Tier sein dürften.
Remeny und Feodora ließen sich im Grass nieder und beobachteten schweigend das makabre Schauspiel. Eine Ewigkeit lang schien nichts zu passieren, der Singsang erfüllte die Nacht, die Puppe lag mit grotesk verrenkten Gliedern auf dem feuchten Grass und die Zuschauer überkam zunehmend das Gefühl, einer geschmacklosen Scharlatanerie beizuwohnen. Dann wurde es dunkel. Das Licht des Mondes verschwand so plötzlich als ob jemand einen Vorhang vor ein Fenster gezogen oder eine Kerze ausgeblasen hätte und gleichzeitig mit dem natürlichen Licht verschwanden auch die Geräusche des Waldes. Auch der Gesang war nicht mehr zu hören, stattdessen erfüllte ein Summen und Brausen die Luft, wie von einem unsichtbaren Insektenschwarm. Doch es war nicht vollkommen finster. Die unheimliche Puppe begann in einem fauligen Grün zu leuchten und erhob sich langsam und zitternd in die Luft. Einen halben Schritt über den Boden schwebend wurde das Leuchten immer stärker, bis es den Anschein hatte, als ob ein Irrlicht in dem Körper gefangen wäre. Einzelne Lichtfinger brachen wie Strahlen durch Lücken im Flechtwerk und griffen hinaus in die Nacht. Der Summton wurde immer eindringlicher und lauter. Er schien von überall zu kommen und steigerte sich ins Unerträgliche, so dass die Zuschauer sich zusammenkrümmen und abwenden mussten.
Die Erscheinung endete so plötzlich wie sie begonnen hatte. Der Mond schien wieder sanft herab und die Geräusche des Waldes kehrten zurück. Im Nachhinein konnte keiner der damals Anwesenden sagen, ob es sich um ein tatsächliches Ereignis oder eine gemeinsame Einbildung gehandelt hatte. Doch irgendwas musste tatsächlich geschehen sein, denn nicht alles war wie zuvor. Die Puppe war verschwunden. An ihrer statt lag der nackte Körper einer jungen Frau mit flammend rotem Haar im Grass der Lichtung, dessen Brust sich sanft im Takt der Atmung hob und senkte.

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