Die Aaskrone

Von Hexen und Hexern

Es ist erstaunlich wie ein einst so heiliger Ort wie dieses Kloster zu einem Hort so großer Dunkelheit werden kann. Doch während mir ein Schauer des Schreckens über den Rücken läuft, scheint es die beiden Frauen nicht zu bekümmern und Artor scheint es geradezu aufregend zu finden, das von den beiden Hexen okkupierte Gebäude zu untersuchen!

Doch vorerst scheint das Erdgeschoss keine weiteren Schrecken und Wunder mehr bereit zu halten. Wir durchstöbern eine Küche, einen magisch gekühlten Lagerraum und das angeschlossene Kutschenhaus, indem sich noch ein Wagen mit dem Wappen der Familie Caliphasi befindet. Der Glockenturm ist ebenso unspektakulär, auch wenn sich in seinen oberen Geschossen zahlreiche Spinnen zu befinden scheinen. Da wir gegen diese Kreaturen der Götter nichts haben, lassen wir sie links liegen und wenden uns stattdessen dem ersten Stock des Klosters zu. Die scharfen Ohren von Nuuri und Feo vernehmen das Klirren von Rüstungen auf der anderen Seite der Tür und wir rüsten uns zu einem weiteren Kampf gegen die Schergen der beiden Hexen.

Wir stürzen in den Raum dahinter – und finden uns inmitten einer Hexenküche wieder. Ich könnte laut aufheulen! Mehrere Wachen sind im Raum verteilt, doch mein Blick gilt allein einer hübschen Frau im besten Alter. Sie hat einen irren Blick, wie ich ihn auch bei Artor schon öfter gesehen habe und auch das Lachen, welche sie ausstößt macht klar, dass es sich hier um eine der beiden Dublese Schwestern handeln muss. Unter dem hell klingenden, gackernden Lachen der Hexe und dem tiefen Lachen Artors beginnt der Kampf. Pfeile und Bolzen schwirren durch den Raum, wir umtänzeln den brodelnden Hexenkessel, Unterlagen fliegen durch die Gegend und nur langsam komme ich meinem Ziel näher: Dieser Kreatur der Finsternis mein geliebtes Schwert durch die lachende Kehle zu stecken! Die Hexe zeigt jedoch, dass sie ihren schrecklichen Ruf nicht zu Unrecht erhalten hat und kämpft mit allen Mitteln. Zauberen und Hexerein werden durch den Raum gerufen, Farben blitzen, Energie knistert, Blut fließt! Doch alle dunklen Künste haben keinen Zweck. Schließlich stehe ich schwer schnaufend über ihr und bringe sie ein für allemal zum Schweigen. Kaum ist der Kampf vorbei stürzen sich Feo und Artor über die im Raum verteilte Ausrüstung und das Labor. Während Feo auf der Suche nach Schätzen in Form von Geld und Juwelen ist, scheint Artor geradezu kindlich begeistert von den hier angehäuften Mengen dunkler Künste zu sein. Seine Augen glühen, als er die Aufzeichnungen durchsucht, den Kessel inspiziert und die Ausrüstung der toten Hexe analysiert. Ich betrachte ihn mit misstrauischen Augen. Würde er für dieses Wissen, für diese Macht, etwa die Seiten wechseln? Eine leise Stimme in meinem Kopf gemahnt jedoch zur Wachsamkeit – zuzutrauen wäre es ihm.

Nachdem wir alles Wertvolle eingesteckt habe – darunter Blutbräu Elixier und die Reste eines Sonnenorchideenelexiers und die Aufzeichnungen der Schwestern –, durchsuchen wir das restliche Obergeschoss. Die meisten Räume sind uninteressant: Eine Baracke, mehrere Schlafzimmer (davon eines mit einem Sarg, was uns etwas verwundert), ein Zimmer mit einem feudalen Himmelbett, ein Besprechungszimmer, sowie eine Dachterrasse mit Kräutergarten.

Nur die gut ausgestattete Bibliothek hatte es noch in sich. Hier fanden wir das fast fertig zusammengesetzte Skelett von Oothi – jener Anisvettel, welche als Mentorin für die beiden Hexen gedient hatte, bevor man sie besiegt, verbrannt und ihre Knochen in ganz Ustalav verstreut hatte. Anscheinend war es den Schwestern gelungen sie wieder zusammen zu tragen. Nur der Kopf fehlte noch. Jener Kopf, der sich in Artors Rucksack befand. Natürlich holte er ihn auch hervor. „Wir, wir könnten sie wieder zurück holen! Sie wäre uns sicherlich unglaublich dankbar! Wäre es nicht wunderbar eine so mächtige Verbündete zu haben?“, flüsterte er euphorisch, den Blick auf den Schädel in seiner Hand fixiert. Ich zückte mein Schwert. „Sie wird uns nichts tun Remeny, sie wird uns dankbar sein“, sprach er auf mich ein. Doch ich schüttelte den Kopf. „Das Schwert ist nicht für Oothi gedacht, Artor, sondern für dich. Steck den Schädel wieder weg!“ Entweder war es die Eiseskälte in meinen Augen, das drohende Schwert, oder die Tatsache, dass er ohnedies nur einen Scherz machen wollte, aber Artor lenkte ein und verstaute den Schädel wieder bei seinen Sachen. Nur um sicher zu gehen brach ich dem Skelett jedoch noch eine Rippe ab – auch Feo und Nuuri nahmen sich je ein kleines Andenken mit. Damit war die Erweckung von Oothi für das erste wieder gebannt. Aber die Situation hatte mir gezeigt, dass ich immer ein wachsames Auge auf Artor haben musste. Immer!

Nun, da wir das Gebäude fertig untersucht hatten, wollten wir uns dem Keller zuwenden. Dazu stiegen wir in den Brunnen hinab, um den bis dato von den hexen unentdeckten Geheimeingang zu verwenden. Dieser Geheimgang teilte sich jedoch bald. An einem Ende führt er uns in das Grab des ehemaligen Abts, welches geschändet worden war. Unter den Blicken der anderen bettete ich den Leichnam wieder im Sarg und verschloss diesen. Im Anschluss entschärfte Feo noch eine Falle an der Tür, wodurch wir einen Blick dahinter riskieren konnten: Ein Raum mit einer überlebensgroßen Darstellung von Sankt Lymirin – dem Schutzheiligen des Klosters – an der Wand. Über eine Gangkreuzung, von wo es auch wieder an die Oberfläche führte, warfen wir einen Blick in eine durch Kohlebecken erleuchtete Kammer, die von einer State von Sankt Lymirin dominiert wurde. Was jedoch mehr unseren Blick einfing war eine schwarz gerüstete Gestalt, welche hier patrouillierte.
Wir zogen uns vorerst unbemerkt zurück um einen Blick auf das andere Ende des Geheimganges zu werfen. Dieser führte in eine Kammer voller Säulen und Alkoven, deren Boden mit Gebeinen bedeckt war. Darin fand sich ein Ritter der anscheinend recht lustlos die Gebeine nach einem passenden Schädel durchsuchte. Anscheinend ein weiterer Lakai der Hexen auf der Suche nach Oothis Schädel. Wir beschlossen ihn als nächstes auszuschalten…

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Hunter9000

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