Die Aaskrone

Tod den Untoten

„Hier ist kein Platz für einen Brachiosaurus“, sprach Artor Raspjotin, der nicht zum ersten Mal von räumlichen Engpässen desavouierte Mann der Mysterien, als er seine Beschwörungsformel beendet hatte. „Dann soll er eben direkt neben dem Brunnen voll negativer Energie erscheinen“, waren seine Worte, gesprochen mit dem Unwillen eines Intellekts, der es gewohnt war, Naturgesetze als unverbindliche Handlungsempfehlungen zur Kenntnis zu nehmen. Doch mit oder ohne urzeitliche Kavallerie, die Schreckensherrschaft des Grauen Mönchs neigte sich ihrem Ende entgegen. Keine Sekunde später hätten die vier Helden die gotteslästerliche Zeremonie im Keller von Rehnkirch sprengen dürfen, sonst wäre Graf Galdana in das irdische Gefäß für die Essenz des Wispernden Tyrannen verwandelt worden. Nach all den Schrecken, denen sie bisher im Verließ begegnet waren, bot der Meister diese Ortes überraschend wenig Gegenwehr. Komplizierter war es da schon den richtigen Grafen zu finden, denn siehe: der Keller war voll von untoten Doppelgängern des unglückseligen Adligen! Die Lösung bestand letztlich darin, den Raum so lange mit positiver Energie zu fluten, bis nur noch ein Graf übrig war. Diesem war übel mitgespielt worden und es bedurfte einer Reihe potenter Heilzauber, um seine Lebenssäfte wieder in Wallung zu bringen. Hernach war der Geschundene voll des Dankes und des Lobes ob dieser Heldentaten, konnte jedoch keine weitere Hilfestellung leisten, außer den Rückzugsgort des Strippenziehers hinter all den Schurkenstücken der letzten Monate – Adivion Adrisant – zu verraten. Wenig überraschend hatte sich der Spitzbube den Galgenkopf als Domizil gewählt, wo sonst würde man wohl versuchen den schändlichen Tyrannen von einer Gruselgeschichte aus längst vergangenen Tagen in eine untote aber nichts destotrotz vor negativer Energie strotzende Wirklichkeit zu verwandeln? Obgleich der Graf sich erbot kein Klotz am Bein zu sein und darauf drang in heldenhafter Manier sein Los selbst in die Hand zu nehmen, konnte er doch überzeugt werden, Hilfe anzunehmen, und ließ sich von den Gefährten in besiedelte Regionen geleiten. Im nahegelegenen Ravengro, ironischerweise der Ausgangspunkt der großen Reise, trennten sich die Wege. Ravengro! Wer hätte damals all das, was sich ereignen sollte, für möglich gehalten? Doch noch war keine Zeit wehmütig zu werden. Man gönnte sich einen Tag der Rast und Besinnung. Remeny konnte endlich einmal wieder eine ganze Nacht lang ungestört und entspannt auf einem Holzscheit kniend die Gesänge der Iomedae rauf und runter beten, Artor schrieb der mittlerweile in magischen Angelegenheiten dilettierenden Feodora eine Zauberrolle und Nuuri konnte mit Mynx noch einige Runden durch die Luft drehen. Derlei Flugtraining stand der Raubkatze wenig später gut zu Gesicht, denn natürlich wurde der Galgenkopf auf dem Luftweg gestürmt. Um den Turm des verfluchten Leichnams hatte sich ein permanenter Ring aus Unwettern geformt und aus allen Löchern des verfluchten Landes von Vyrlich krochen die Untoten in Richtung der alten und womöglich demnächst neuen Festung ihres Herrn. Hoch über diesen Strömen aus garstigem Fußvolk waren die Helden froh, auf den Landweg verzichtet zu haben, und beglückwünschten sich gegenseitig für diese famose Entscheidung, bis mit einem Mal der sprichwörtliche Schatten auf die ausgelassene Runde fiel. Ohne Vorwarnung schoss ein riesiger untoter Drache aus den Wolken heran und forderte die Helden zu einem dramatischen Luftkampf. Doch wie so viele Lakaien bisher, wurde auch dieser überwunden und die Schätze seines Hortes werden in der kommenden Schlacht sicherlich gute Dienste leisten. Nach einer letzten Nacht der Vorbereitung brachen die Helden im Morgengrauen auf, um die Festung des Wispernden Tyrannen zu stürmen. Mit grimmigen Blicken kämpften sie sich über eine schwankende Treppe aus menschlichen Skeletten Stockwerk für Stockwerk empor. Dann endlich war der letzte Absatz erreicht. Entschlossen betraten sie die oberste Terrasse des Turms, um diese Eiterbeule ein für alle Mal auszubrennen.

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Flo

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