Die Aaskrone

Artor Raspotin – Interplanetarer Mann der Mysterien

Artors Raspjotin – Interplanetarer Mann der Mysterien

http://grooveshark.com/#!/s/Kalinka/3a07Ja?src=5

Epi klein

Nach dem Triumph über den Wispernden Pfad kehrte Artor Raspjotin, Ustalavs einzig legitimer Mann der Mysterien, an die Stätte seiner bisherigen Wirkung zurück, mit dem festen Plan, sein Museum zu unvergleichlicher Pracht auszubauen. Seine Abenteuer hatten dem Hexer einzigartigen Reichtum beschert und ihn zu einer lebenden Legende gemacht. Doch konnte ein solcher Plan einen Mann mit einem Intellekt, wie er vielleicht nur einmal in jeder Generation auftritt, wirklich zufrieden stellen? Vielleicht! Doch vielleicht war er auch nicht der einzige der Pläne hatte. In den kommenden Monaten musste er feststellen, dass er von einem Buch verfolgt wurde. Das Buch der verworrenen Geometrie. Egal wann und wo er sich in seinem Turm zum Studieren niederließ, schien es schon dort zu sein und immer zu oberst zu liegen. Einige Zeit verging und er versuchte das Phänomen so gut als möglich zu ignorieren. Doch eines Nachts wurde er plötzlich von einem kehligen Knurren geweckt. Das Buch lag direkt vor seinem Bett und darauf saß Anastasia, die unheimliche Füchsin, und starrte ihn mit Augen wie glühende Kohlen an. „So sei es denn!“ sprach Artor Raspjotin, der von einem seltsamen Fuchs geplagte Mann der Mysterien, und schlug das Buch der verworrenen Geometrie auf, um von Dingen zu lernen, die einen geringeren Geist vermutlich verschlungen und zermalmt hätten. Anastasia nickte zufrieden, zeigte es sich doch erneut, dass sie damals auf die richtige Karte gesetzt hatte.
Tag und Nacht arbeitete Artor an der Entschlüsselung der andersweltlichen Mi-Go Technologie aus den finsteren Räumen zwischen den Sternen, stets unter den wachsamen Augen Anastasias – oder was immer es war, das durch die Augen des unheimlichen Tieres blickte, dem er in jener schicksalhaften Nacht vor so vielen Jahren hoch oben in den Bergen begegnet war. Infolge seiner Studien veränderte sich das Aussehen des Turmes zunehmend und die örtliche Schmiede machte ein Vermögen mit der Anfertigung immer neuer kurios bis bizarr geformter Gegenstände aus Metall. Bald schon war der Turm vollständig mit Metall verkleidet und zwischen den Exponaten des Museums standen seltsame Apparaturen, ein Netzwerk aus Rohren und Metallkabeln durchzog das Innere vom Keller bis in das Dachgeschoß. Die Anzeigen aus der Nachbarschaft wegen nächtlicher Ruhestörung, unheiliger Umtriebe und Paktieren mit Dämonen häuften sich und die Stadtwache klopfte fast täglich an die Tür. Auch häuften sich bei Museumsbesuchern Fälle von Ohnmacht oder tagelanger Verstörtheit, so dass Artor den Museumsbetrieb schließlich vollständig einstellte. Die Besuchszahlen der angeschlossenen Schenke vielen ins Bodenlose, trotzdem zahlte Artor seinen Bediensteten weiterhin fürstliche Gehälter für die Betreuung eines leeren Schankraums, nur um den Anschein seiner bürgerlichen Existenz aufrecht zu erhalten.
Dann kam der schicksalhafte Abend, an dem Artor Raspjotin allen Bediensteten überraschend freigab und sich ohne weitere Erklärung in den Turm – oder in das, was immer aus dem Turm geworden war – zurückzog. Dies war das letzte Mal, dass der Mann der Mysterien lebend gesehen wurde. Über die weiteren Ereignisse jener Nacht gibt es nur widersprüchliche Berichte von Zeitzeugen, die in den kommenden Jahren zum Ursprung von lokalen Mythen und Legenden werden sollten. Das einzige was man mit Sicherheit zu wissen scheint, ist, dass Caliphas kurz nach Mitternacht von einer Art Erdbeben erschüttert wurde und eine Druckwelle durch die Gassen fegte, die zahllose Fensterscheiben zerbersten ließ. Vom Grundstück des Hexers erhob sich eine Säule aus Rauch und Feuer in den Nachthimmel, die die Stadt weithin erhellte. Ein offizieller Untersuchungsbericht der Stadtwache kam zu dem Ergebnis, dass der Hexer sich mitsamt seines Labors selbst in die Luft gesprengt haben musste, was eine Welle von Gesetzesverschärfungen für den Bau und Unterhalt alchemistischer Laboratorien und Magierakademien nach sich zog.
Es gibt jedoch auch Augenzeugenberichte, die der offiziellen Version widersprechen. In diesen ist davon die Rede, dass sich der Turm selbst an der Spitze der Feuersäule in den Himmel erhob und von unfassbaren Kräften in die Leere zwischen den Sternen katapultiert wurde. Solchen Berichten wurde selbstverständlich kein Glaube geschenkt, stammten sie doch allesamt von unzuverlässigen Personen, die nicht zu einem geordneten Lebenswandel in der Lage waren (nur Gesindel ist um diese Zeit noch auf der Gasse unterwegs). Außerdem widersprachen sie jeglichem gesundem Menschenverstand. Teleportation? Sicherlich! Herbeirufung von Teufeln und Dämonen? Soll es geben, soll es geben. Ebenwechsel? Nun man hat davon gehört. Es gibt andere Ebenen, warum sollte man nicht zwischen ihnen sozusagen wechseln können? Auch Nachthemden, Socken und Unterwäsche lassen sich ja problemlos wechseln! Aber direkt in den Himmel fliegen? Immer höher und höher, in eine Leere zwischen den Sternen? Verrückt! Jeder weiß doch, wer immer höher in den Himmel fliegt stößt irgendwann mit dem Kopf an das Gewölbe, an dem die Sterne AUFGEHÄNGT sind. Wenn man nicht ganz gut aufpasst wird man vom Wagen des Sonnengottes überrollt oder bleibt sogar mit dem Kopf im Himmel stecken und hängt dann da wie ein armer Tropf, bis jemand einen wieder herunter holt….
Und so gingen die Jahre ins Land, wo der Turm einst stand klaffte ein gähnender Krater, der Regen füllte in mit Wasser, die Schenke wurde schließlich renoviert und wieder eröffnet. Im Sommer soll es sehr angenehm sein, dort ein kühles Bier am Kratersee zu trinken und den Enten zuzusehen. Der Mann der Mysterien und seine unheimliche Füchsin kehrten nie zurück und bald schon wurde auch kaum mehr von ihnen gesprochen, außer wenn Mütter ihren Kindern ein wenig Angst machen wollten.

Planet Erde – 30 Juni 1908 (lokale Zeitrechnung)
Russisches Kaiserreich – Sibirien, im Gebiet des Flusses Podkamennaja Tunguska
Eine unerklärliche Explosion in den frühen Morgenstunden entwurzelt im Umkreis vieler Meilen Millionen von Bäumen und lässt die Fensterscheiben in weit entfernten Orten zerspringen. Die Ursache kann nie geklärt werden, doch manche Augenzeugen meinen einen feurigen Schweif am Himmel und ein seltsames metallisch glänzendes Objekt in der Wildnis der Tundra gesehen zu haben. Bald darauf verbreiten sich im ganzen Land Gerüchte wie ein Lauffeuer, von einem geheimnisvollen Mann, wie es ihn noch nie zuvor gegeben hatte. Man nannte ihn Wunderheiler, Gelehrter, Hexer, Scharlatan oder verrückter Mönch. Doch was auch immer er sonst war, eines schien sicher: Er war ein wahrhafter Mann der Mysterien!

Comments

Chapeau! Fantastisches Schlusswort.

Der Einbau des Tunguska Meteroiten ist genial, auch wenn er ja leider für eine perfekte Geschichtsschreibung ein paar Jahre zu spät dran war.

 

Wirklich super Beitrag, gefällt mir. Der Twist mit Russland ist originell und klasse!

 

Die Geschichte hatte ich immer mal wieder im Kopf, aber erst der Reign of Winter Abenteuerpfad hat das so richtig interessant gemacht.

Flo

I'm sorry, but we no longer support this web browser. Please upgrade your browser or install Chrome or Firefox to enjoy the full functionality of this site.